Read in English →

Sharpe Ratio: Was ist ein guter Wert? Bedeutung, Formel und Richtwerte

Sharpe Ratio erklärt: Formel, Interpretation, was als guter Wert gilt, die Sharpe Ratio des S&P 500 und 30 weiterer Märkte sowie ihre Grenzen.

Von Dr. Harry Hamann · veröffentlicht 03.11.2026

Die Sharpe Ratio misst, wie viel Rendite eine Anlage je Einheit eingegangenen Risikos erzielt hat. Zwei Anlagen können beide 10 % pro Jahr abwerfen. Diejenige, die dieses Ergebnis mit geringeren Schwankungen erreicht hat, weist die höhere Sharpe Ratio auf – und war das bessere Geschäft.

Entwickelt hat die Kennzahl der spätere Nobelpreisträger William F. Sharpe im Jahr 1966. Heute ist sie das am weitesten verbreitete Maß für die risikobereinigte Rendite in der Finanzwelt.

Die Formel der Sharpe Ratio

Sharpe Ratio = (Rendite der Anlage − risikoloser Zinssatz) ÷ Volatilität der Anlage
  • Rendite – in der Regel die durchschnittliche jährliche Rendite.
  • Risikoloser Zinssatz – der Ertrag, der sich ohne Risiko erzielen lässt, typischerweise mit kurzlaufenden Staatspapieren (T-Bills).
  • Volatilität – die annualisierte Standardabweichung der Renditen.

Ein Beispiel: Ein Portfolio erzielt 9 % pro Jahr, T-Bills bringen 3 %, und die Volatilität des Portfolios liegt bei 12 %. Die Sharpe Ratio beträgt dann (9 − 3) ÷ 12 = 0,5. Für jeden Prozentpunkt Volatilität, den der Anleger in Kauf genommen hat, erhielt er einen halben Prozentpunkt Mehrrendite gegenüber Cash.

Was ist eine gute Sharpe Ratio?

Sharpe RatioEinordnung
Unter 0Schlechter als Cash (T-Bills)
0 – 0,5Niedrig: typisch für einzelne Rohstoffe, Währungen, langlaufende Anleihen
0,5 – 0,75Normal für breite Aktienmärkte über lange Zeiträume
0,75 – 1,0Gut: bessere risikobereinigte Rendite als der Aktienmarkt
Über 1,0Sehr gut über lange Zeiträume – selten und ein Anlass, nach versteckten Risiken zu suchen

Diese Bandbreiten gelten für lange Zeiträume mit realen oder sorgfältig im Backtest ermittelten Daten. Über ein oder zwei Jahre sind Sharpe Ratios von 2 oder 3 häufig und ohne Aussagekraft; sie spiegeln meist eher einen ruhigen Markt wider als Können.

Die Sharpe Ratio des S&P 500

Seit 1993 kommt der S&P 500 (Total Return) auf eine Sharpe Ratio von rund 0,51. An diesem Maßstab werden die meisten Strategien gemessen: Eine langfristige Sharpe Ratio deutlich über 0,5 bei ähnlichen oder geringeren Drawdowns ist eine echte Verbesserung.

Sharpe Ratio von 30 Märkten, Kaufen und Halten
Jeder Balken ist ein Markt, den wir verfolgen, Kaufen und Halten seit Datenbeginn · Rendite über US-Geldmarktzins (T-Bills) je Einheit Schwankung

Über die 30 Märkte im Research Terminal hinweg reichen die Sharpe Ratios bei Kaufen und Halten von unter null (der Euro gegenüber dem Dollar) bis etwa 1,0 (einige Tech-Aktien mit sehr hoher Marktkapitalisierung sowie Solana, allerdings über deutlich kürzere Historien). Gold und der S&P 500 liegen bei etwa 0,5, langlaufende US-Staatsanleihen (Treasuries), Öl und der Dollar unter 0,2. Eine niedrige Sharpe Ratio macht Anleihen im Portfolio jedoch nicht nutzlos: Ihr Wert liegt darin, wie sie sich gegenüber Aktien bewegen – genau das misst die Korrelation zwischen Aktien und Anleihen.

Wie sich die Sharpe Ratio interpretieren lässt

  • Nur Gleiches mit Gleichem vergleichen. Aussagekräftig ist ein Vergleich von Sharpe Ratios nur über denselben Zeitraum und mit demselben risikolosen Zinssatz. Eine Sharpe Ratio aus den Jahren 2009–2021, einem langen Bullenmarkt, ist nicht mit einer vergleichbar, die 2000–02 und 2008 einschließt.
  • Höher ist besser – doch zwei weitere Kennzahlen gehören dazu. Auch eine hohe Sharpe Ratio kann mit einem tiefen maximalen Drawdown einhergehen, der kaum auszuhalten ist. Ein vollständiges Bild ergibt sie erst zusammen mit der Rendite pro Jahr (CAGR) und dem maximalen Drawdown.
  • Hebel verändert sie nicht. Wer eine Position verdoppelt, verdoppelt sowohl die Mehrrendite gegenüber Cash als auch die Volatilität; die Sharpe Ratio bleibt gleich. Deshalb nutzen professionelle Anleger sie, um Strategien zu vergleichen, bevor sie entscheiden, wie viel Risiko sie eingehen.

Die Grenzen der Sharpe Ratio

  • Sie behandelt Aufwärts- und Abwärtsbewegungen gleich. Volatilität aus kräftigen Anstiegen zählt ebenso als „Risiko“ wie Crashs. Hier setzt die Sortino Ratio an, die nur die Abwärtsvolatilität berücksichtigt.
  • Sie unterstellt normalverteilte Renditen. Strategien mit seltenen, aber großen Verlusten (etwa der Verkauf von Optionen) können hohe Sharpe Ratios ausweisen – bis zu dem Moment, in dem sie scheitern.
  • Sie ist anfällig für Überanpassung. Wer genügend Varianten einer Strategie an historischen Daten testet, findet rein zufällig eine mit hoher Sharpe Ratio. Glaubwürdig ist eine Sharpe Ratio erst, wenn die Strategie vor dem Test festgelegt, über Jahrzehnte geprüft und anschließend live verfolgt wurde.

Sharpe Ratio: Strategie vs. Kaufen und Halten

Für jeden Markt zeigt das Research Terminal drei Kennzahlen nebeneinander, jeweils für die systematische InvestWealth-Strategie und für Kaufen und Halten: CAGR, Sharpe Ratio und maximalen Drawdown. Für den S&P 500 seit 1993 erreicht die Strategie im Backtest eine Sharpe Ratio von rund 0,73 gegenüber 0,51 bei Kaufen und Halten – vor allem, weil sie während des größten Teils der Bärenmärkte 2000–02 und 2008 an der Seitenlinie stand.

InvestWealth-Strategie für den S&P 500 im Vergleich zu Kaufen und Halten seit 1993
S&P 500 · hypothetischer Backtest inkl. Kosten · 3 Monate verzögert
Bildungsangebot und Research, keine Anlageberatung. Backtest-Ergebnisse sind hypothetisch, enthalten geschätzte Handelskosten und bieten keine Gewähr für künftige Ergebnisse.

Häufige Fragen

Was ist eine gute Sharpe Ratio?

Über lange Zeiträume sind 0,5–0,75 für breite Aktienmärkte normal, 0,75–1,0 gelten als gut und Werte über 1,0 als sehr gut und selten. Kurzfristige Sharpe Ratios von 2 oder mehr kommen häufig vor und sagen wenig aus.

Wie wird die Sharpe Ratio berechnet?

Von der Jahresrendite der Anlage wird der risikolose Zinssatz (T-Bills) abgezogen. Das Ergebnis wird durch die annualisierte Volatilität (Standardabweichung) ihrer Renditen geteilt.

Wie hoch ist die Sharpe Ratio des S&P 500?

Rund 0,51 für den S&P 500 inklusive Dividenden von 1993 bis 2026, gemessen an T-Bills.

Ist eine höhere Sharpe Ratio besser?

Ja, eine höhere Sharpe Ratio bedeutet mehr Rendite pro Einheit Volatilität. Aussagekräftig ist sie aber nur zusammen mit der Rendite pro Jahr und dem maximalen Drawdown, und Sharpe Ratios lassen sich nur über denselben Zeitraum vergleichen.

Was bedeutet eine negative Sharpe Ratio?

Die Anlage hat weniger als den risikolosen Zinssatz erwirtschaftet: Mit T-Bills wäre man besser gefahren.

Kostenloses Research Terminal

Die Zahlen live, kostenlos

Strategie gegen Kaufen und Halten für S&P 500, Nasdaq-100, Gold, Öl, Bitcoin und Nvidia: Rendite, Sharpe Ratio, größter Verlust. Die Oberfläche ist auf Englisch.

Kostenloses Konto eröffnen →Dauerhaft kostenlos · keine Kreditkarte · 30 Sekunden

Bildungsinhalt der Forschung, keine Anlageberatung. Vergangene Renditen garantieren keine zukünftigen Ergebnisse. Backtest-Ergebnisse sind hypothetisch. Disclaimer.